Grabneuanlage - Fluss des Lebens (von Holger Winter)

Wenn wir unsere Beratungsgespräche für die Neu- oder Umgestaltung einer Grabstätte führen, dann machen wir das mit viel Fingerspitzengefühl und wir nehmen uns alle Zeit der Welt: Wir versuchen nachzufühlen, wer der Mensch war, dem seine Angehörigen hier ein individuelles Denkmal setzen möchten. Was wir in diesen vertraulichen Gesprächen erfahren, ist meist sehr berührend und bisweilen tieftraurig, manchmal ist die Atmosphäre aber auch geradezu heiter, je nachdem, von welchen Erinnerungen die Freunde und Verwandten berichten – und was der Gesprächsverlauf zutage fördert.

„Kein Mensch ist eine Insel – auch wenn er das Meer noch so sehr liebt.“

In dem Fall, der mich vor ein paar Tagen überraschte, wünschte sich unsere Kundin einen besonders liebevollen Grabschmuck für ihre Schwester – bei der es sich, wie sich herausstellte, um niemand Geringeren handelte als um meine ehemalige Lehrerin zu der Zeit, als ich ein Steppkes von 14, 15 Jahren war. So mischten sich meine eigenen Erinnerungen an diese unbeschwerte Zeit mit dem, was ich nun an Persönlichem aus dem Mund der Schwester erfuhr. Dass sie die Weser, das Meer und überhaupt Wasser in jeder Form liebte. Dass Blau und Weiß ihre Lieblingsfarben waren. Und dass selbst unsere wilde Klassenbande mit den unzähligen Flausen im Kopf ihr den Beruf offenbar nicht madig, sondern gerade erst zu dem gemacht hatte, was ihr Freude bereitete.

„Eine besondere Grabstelle für einen besonderen Menschen.“

Ein Wellenmuster aus blauen und weißen Hornveilchen zieht sich nun durch eine ruhende Fläche aus Japanischer Stechpalme. Eine Ilex-Kugel und ein Cotoneaster-Hochstämmchen bilden die Ehrengarde der von spiegelndem schwarzen Granit umrahmten Grabstelle und in der rechten Ecke können Schalen und Gestecke auf feinen Pinienmulch gebettet werden.

Ihre Grabstelle und dass ich sie entworfen habe – ich hoffe, meiner Frau Lehrerin gefällt beides, falls sie mich von irgendwo dort oben noch im Blick haben sollte. Ich werde in Zukunft auf jeden Fall regelmäßig bei ihr vorbeischauen und achtgeben, dass alles in Ordnung ist.

Eine topft aus, der andere pflanzt ein, so geht's am schnellsten. Unsere Mitarbeiter Michaela Sobing und Michael Hoyer sind ein eingespieltes Team.
Für ein zügiges Anwachsen wird die Erde mit bereits aufgedüngtem Pflanzsubstrat verbessert.
Blaue und weiße Hornveilchen schmücken den Beetbereich, der für den jahreszeitlichen Wechselflor bestimmt ist. Die plastische Herausarbeitung des Musters mithilfe eines Erdwalls bezeichnen Friedhofsgärtner als "gespannte Fläche".
Die Formschnittgehölze bekommen den letzten Schliff. Gute 12 Stunden Arbeitszeit stecken in der neugestalteten Grabfläche.
Angießen nicht vergessen, sonst war alle Arbeit umsonst. Bei einer solch großen Fläche kommen schon einige Kannen Wasser zusammen.
Die Grabstätte ist fertig gestaltet, die sogenannte Ritualfläche im rechten unteren Eck wird bereits für Pflanzgefäße und Schnittblumen genutzt - und wir freuen uns über das positive Feedback der Angehörigen.

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